Feb 08

Gestern wurde mir doch glatt ein Zettel mit folgender Überschrift in die Hand gedrückt:

Elterninitiative G8

Welcher unter anderem Textpassagen wie diese enthält:

Die Mädchen und Jungen werden so ihrer Kindheit beraubt[...]

[...] es fehlt jeglicher Freiraum für eine altersgemäße Entwicklung[...]

Und so weiter und so weiter. Holen wir doch einmal etwas aus. In Schleswig Holstein wurde letztes Jahr an allen Gymnasien mit G8 der Verkürzte Bildungsweg zum Abitur (aka Turboabi) eingeführt. Statt das Gymnasium bis zur Klasse 13  besuchen zu müssen, erreichen die Schüler mittlerweile das Abitur in “nur” 8 Jahren Gymnasium, folglich nach Klasse 12. Durch diese Verkürzung der Schulzeit bedingt wird jetzt mehr Stoff in gleicher Zeit durchgenommen, die Lerndichte [Stoff/Zeit] hat sich erhöht. Klar ist auch, dass das Hausaufgabenpensum steigt und die Stundenanzahl pro Woche etwas angehoben wird.

Kai ist Grundschüler und besucht die vierte Klasse. Kais Eltern sind Akademiker, er Rechtsanwalt, sie Hausfrau Sozialpädagogin. Geschwister hat Kai selbstverständlich nicht, seine Eltern sind ja auch schon beide über 45 Jahre alt, es war “[...] etwas komplizierter mit Ihm. Aber er ist selbstverständlich ein Wunschkind!” Aha. Auf jeden Fall hat Kai nach dem ersten Halbjahr der Klasse 4 nur eine RealHauptschulempfehlung erhalten. Dieser schwere Schlag, der die 34 Generationen andauernde Tradition der Familie nur Akademiker hervorgebracht zu haben in den Grundfesten erschütterte, traf die 3köpfige Familie zu tiefst. Um einem Imageverlust seitens der Verwandten vorzubeugen, gab man beim nächsten Familientreffen einfach an, Kai habe eine so genannte “G- Empfehlung”. Nach allgemeinem Lob und 5€ von Oma gings dann nach Hause.

1 Jahr später. Kai hat das erste Halbjahr des Gymnasiums absolviert und steht mit einem sagenhaften Durchschnitt von 5,3 noch weit vor den meisten seiner Mitschüler aus gleichen Verhältnissen. Er hat seit einem halben Jahr keine freie Minute mehr gehabt und seine gesamte Zeit fürs Lernen aufgebracht. Allein seine Schulwoche besteht aus insgesamt 67 Wochenstunden. Ohne Erfolg wie man sieht.

Kais Eltern sind entzürnt “G8 ist Schuld”, sagen sie und fordern vom Ministerium für Bildung:

Erarbeiten Sie landesweit verbindliche, der kürzeren Lernzeit angebasste Lehrpläne für G8!

oder

Schaffen Sie g8 für Schleswig-Holstein durchgehend und auch für die jetzt Betroffenen wieder ab!

Liebe Eltern,

wenn ihr Kind am Gymnasium nicht besteht, dann bin ich der felsenfesten Überzeugung (und damit vermutlich anderer als Sie), dass nicht die Schule zu schwer für ihr Kind, sondern Ihr Kind zu dumm untalentiert für das Gymnasium ist.

Lassen Sie sich das einmal durch den Kopf gehen. Bemerken Sie Ihren Egoismus? Es gibt viele Kinder, die auf dem Gymnasium mit G8 keine Probleme haben. Warum also sollte man G8 erleichtern oder gar abschaffen – sprich das Niveau senken? Damit mehr Leute das Abitur bestehen? Wäre Abitur dann noch eine Auszeichnung? Der höchste Bildungsabschluss? Ich glaube kaum.

In diesem Sinne,

Finn Ole.

Dez 14

Hey – mir ist langweilig, verdammt langweilig. Alle sind weg, und der kleine Finn Ole muss alleine zu Hause sitzen und weinen.

Weihnachtskonzert.

Finn Ole ist nicht dabei, selbstverständlich nicht, weil sowohl der Chor als auch die Big Band letztes Mal enttäuschend waren, sondern – dies möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben – aus reinster Nächstenliebe.Warum, wird man sich fragen – ist er gar Artist, würde er mit seinem Gesang die Menschen quälen? Nein. Fakt ist, wir haben in den Klassenstufen 5, 6, 7 und 8 jeweils 5 Klassen á 25 Schüler. 4 * 5 * 25 = 20 * 25 = 500 Schüler. Wenn jetzt 500 Schüler ihre streng rationalisierten Karten (2/Schüler) ausnutzen, kommen wir also schonmal auf 1000 Gäste, da sind die Artisten – die ja keine Karte benötigen – noch nichteinmal einberechnet.

Also. 1000 Gäste+ ca. 100 Artisten = 1100 Leute, Alleine in den unteren Klassenstufen. Führen wir das ganze fort, auf die oberen Jahrgänge und berücksichtigen wir die ohnehin nicht kommenden Eltern, komme ich auf etwa 1200 Gäste / Abend (2 Abende).

Die Aula bietet Platz für gut… 200? Keine Ahnung, Schätzungsweise einige mehr.Sprich, Finn müsste irgendwo auf/unter einem Schoß sitzen – und, seine wir ehrlich, wer gibt  dafür noch 4€ Eintritt aus? Also, konsequenterweise müsste man 4-5 Weihnachtskonzerte veranstalten – macht man aber nicht.

Mist.